Juliane Buchholz, 18.7.2011:
About the exhibition issue: „veiled realities – German and Turkish artists in dialogue first there has been an inner defence towards
the issue “veiled” associated with Turkish women. Again this issue: Should/or may Turkish women wear this veil?
To me personally it doesn’t mean anything, if a woman is veiled or not, important is the personality behind this veil.
I am not against veils being worn by women on own decision; I myself sometimes carry huge sunglasses not only because of sun:
sometimes I need to become invisible from the eyes of the others but still I like to watch them. This is nothing different but
veiling to protect myself from intimate gazes.
Besides, there are exactly these eyes of muslima staying free and telling so much bout there personal state of mind.
Sunglasses as well as veils or veiled clothes can protect me from the view of the others whom I feel delivered to.
In my artwork I always feel attracted by ambivalences and refractions. Only the title “veiled realities” without intercultural
connotation, would have attracted me. But now, after having been confronted deeply by women cases within this exhibition focus
I am really surprised how deeply this unconscious aspect always has been a source for my works.
What means reality? Don’t we live in an illusive world of body cult, where only facades and impressiveness talking are important?
Men and women are part of ongoing rankings and social fighting and orientate their lives within success and fortune.
Women in the west obey the social order to show as much as naked flesh. More often they define themselves by their body in social and
fashion dictation. Unconsciously we might even enjoy playing this heteronomous game as long as we feel agreeable in body and age
qualities. If not we automatically have lost. This is the reason for the always-young-desire.
In fact the female body is commercialised in our world by all media and veiled by ourselves, who don’t aware this ongoing barrage.
During the 1980ies we had been much more aware.
I myself feel privileged by discussions like these regarding women and freedom issues, questioning traditions and social realities
by my art works and irritate the viewers. The predisposition is that I feel free to decide if and in which context I do my art, how I
dress, think and speak and if I veil myself or don’t.
.Als ersten Impuls vernahm ich eine Art innere Abwehr bei dem Begriff “verschleiert” in Verbindung mit Türkinnen. Schon wieder dieses
Thema: “Sollen/ dürfen türkische Frauen den Schleier tragen oder nicht?” Mir persönlich ist es egal, ob eine Frau mir gegenüber einen
Schleier trägt oder nicht, wichtig ist mir, welche Persönlichkeit hinter dem Schleier steckt. Ich habe nichts gegen Schleier, die Frauen
f r e i w i l l i g tragen und trage selbst manchmal eine große Sonnenbrille nicht nur der Sonne wegen, sondern weil ich ab und zu nicht von anderen Blicken erfasst werden möchte, die anderen aber trotzdem sehen möchte.
Das ist auch eine Art Verhüllung, die ein intimes Hineinsehen in mich verhindert.
Dabei sind es ja gerade die Augen, die bei muslimischen Frauen mit Schleier frei bleiben und gerade sie sagen viel über das persönliche Befinden aus.
Sonnenbrille und auch Schleier und überhaupt verhüllende Kleidung können dem eigenen Schutz, durch den ich mich fremden Blicken weniger ausgeliefert
fühle, dienen. In meiner künstlerischen Arbeit interessieren mich Ambivalenzen und Brechungen, so auch beim Thema “Verschleierung”.
Ohne den Zusammenhang mit Muslima, also nur der Titel “Verschleierte Wirklichkeiten” hätte mich auch stark angesprochen, allerdings bin ich bei tieferer Beschäftigung mit dem frauenspezifischen Aspekt sehr überrascht davon, wie wichtig dieser unbewußt in vielen meiner Arbeiten wurzelt.
Was ist denn ” Wirklichkeit”? Leben wir doch in einer Welt des schönen Scheins, in der sich der Körper-, Fassaden- und Eindruckskult
stark ausbreitet.Aussengeleitete Menschen, ob Männer oder Frauen, sind in ständigen sozialen Vergleichen und Statuskämpfen verwickelt
und richten ihr Leben an vorgegebenen Erfolgs- und Glücksmaßstäben aus. Frauen unterstehen in der westlichen Welt dem gesellschaftlichen Druck, viel nackte Haut zu zeigen und sich vor allem über ihren Körper, der modisch gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen muß, zu definieren.
Unbewusst spielen wir das (von Männern?)fremdbestimmte Spiel gerne mit, solange wir entsprechende körperliche und jugendliche Qualitäten vorweisen können. Wenn nicht, haben wir sofort verloren. Der Jugendwahn bei uns hat ja auch seine Ursachen u.a. darin.
Fakt ist, daß bei uns der weibliche Körper kommerzialisiert wird in Medien aller Art, was “verschleiert” wird dadurch, dass nicht mal
wir Frauen selbst dies durch gewohnheitsmäßiges, ständiges Bombardement in den Medien wahrnehmen. In den 80ger Jahren war dies schon
mal mehr präsent
Ich persönlich fühle mich als Frau u.a. durch die Auseinandersetzung mit dem Frauen/Freiheits-Thema für diese Ausstellung privilegiert, Traditionen und gesellschaftliche “Wirklichkeiten” in Form meiner künstlerischen Arbeit in Frage zu stellen und die Rezipienten zu irritieren und auch zu “verstören”.
Voraussetzung dafür ist es, f r e i entscheiden zu können, ob und wie ich Kunst mache, wie ich mich anziehe, was ich denke und sage
und ob ich mich verhüllen will oder nicht.